Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 4, 51

 

Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst

und Wohlfahrtspflege

 

Eine zahnärztliche Helferin ist vor kurzem an Quecksilbervergiftung

gestorben. In ihrer Eigenschaft als zahnärztliche Helferin hatte sie auch mit

Amalgam zu arbeiten. In der sachgemäßen Verarbeitung des Amalgams war

sie unterrichtet worden. Trotzdem ist es offenbar zu der

Quecksilbervergiftung gekommen. Der ärztliche Bericht sagt hierüber

folgendes:

 

"Es handelt sich bei der Pat. um eine schwere aplastische Anaemie

verbunden mit einer Granulopenie und Trombopenie, die als Ausdruck einer

totalen Schädigung des Knochenmarks auftraten. Ätiologisch bestand schon

zu Lebzeiten der Pat. der Verdacht einer chronischen

Quecksilberintoxikation, da sie beruflich seit mehreren Jahren mit Amalgam

gearbeitet hat. Da jede andere Möglichkeit einer Quecksilberschädigung

ausgeschlossen werden konnte, muß man annehmen, daß es bei Fräulein ...

bei der Zubereitung von Amalgam zu einer ständigen Resorption des

Quecksilbers von seiten der Haut gekommen ist, die zu einer chronischen,

schleichenden Intoxikation geführt hat.

 

Die Obduktion hat diese Annahme in vollem Umfang bestätigt, da sich in

den untersuchten Innenorganen Quecksilber chemisch nachweisen ließ."

 

Der bedauerliche Vorgang gibt Anlaß, auf die Richtlinien zur Verhütung

von Berufkrankheiten und Unfällen in zahnärztlichen Praxen hinzuweisen,

die allen Praxisinhabern durch die zuständige Kammer ausgehändigt

wurden. Diese Richtlinien sind vom Praxisinhaber und von seinen

Angestellten zu beachten. Der Praxisinhaber ist verpflichtet, die Richtlinien,

die als Unfallverhütungs-Vorschriften zu betrachten sind, für seine

Angestellten an geeigneter Stelle auszulegen und die Angestellten zur

Kenntnisnahme der Richtlinien und zu ihrer Beobachtung anzuhalten.

Über Giftstoffe äußern sich die Nummern 55-59 der Richtlinien. Über

Quecksilber und Amalgam heißt es darin folgendermaßen:

 

"56. Quecksilbervorräte und Cyanverbindungen sind sorgfältig unter

Verschluß zu halten. Säuren sind von Cyanverbindungen fernzuhalten

(Blausäuregefahr!).

57. Die Fußböden von Räumen, in denen mit Quecksilber gearbeitet

wird, sollen aus glattem, fugenlosen Material gearbeitet sein. ~

58. Alle Quecksilberabfälle sind sofort zu beseitigen.

59. Das Anrühren (Anreiben) von Amalgam und das Auspressen von

Quecksilber mit der ungeschützten Hand ist verboten."

 

Die Befolgung der Richtlinien ist im Interesse des Schutzes von Leben und

Gesundheit notwendig. Nach der Reichsversicherungsordnung können

Zuwiderhandelnde mit Ordnungsstrafen in Geld belegt werden, die beim

Praxisinhaber bis zum Betrage von 10 000,-- DM festgesetzt werden

können.

Hofman


PAIN Essen, c/o Wiese, Pferdemarkt 5, 45127 Essen, E-Mail: pain.essen@daenemark.net
15. Juni 2004, zuletzt geändert: 12. Oktober 2004